Dorfgeschichte

Tödtenried – Die Geschichte eines Dorfes in Bayern

Das Land zwischen Donau und den Alpen hat viel erlebt seit die Gletscher der Eiszeit eine sanfte Hügellandschaft von natürlicher Schönheit formten. Unsere Dorfgeschichte fängt an, wie so oft – mit den alten Römern.

Im Jahr 15 vor Christus eroberten Legionen Roms das nördliche Alpenvorland bis zur Donau und weit darüber hinaus. Es war ein fast menschenleeres Ödland wo noch die Kelten meist in unzugänglichen Hügel- und Bergregionen ansässig waren. In Rom regierte Kaiser Augustus. Er ließ von seinen Stiefsöhnen Tiberius und Drusus das bayrische Voralpenland erobern. Zwischen den Flüssen Wertach und Lech wurde ein römisches Militärlager errichtet. Um dieses Militärlager bildete sich eine Siedlung „Augusta Vindelicorum“ genannt.

Bereits 95 nach Christus wurde Augsburg zur Hauptstadt der Provinz Raetia ernannt. Zur Sicherung des Nachschubes und auch für schnellere Truppenbewegungen wurden Straßen errichtet. Diese Straßen waren die Lebensadern des römischen Reichs. So wurden über diese Straßen nicht nur die Truppen bewegt sondern vielmehr Handelsgüter, Baumaterialien, Ideen, Befehle, Nachrichten, Geschichten, Tiere und Menschen. In der Nähe eines Kastells siedelten sich bald Kaufleute, Handwerker und Betriebe in Lagerdörfer an. Sogar die Germanen kamen über die Grenzen in die Lagerdörfer und lieferten Waren.

Im Hinterland entstanden Gutshöfe die für die Nahrungsmittelproduktion beitrugen. Ein Gutsbetrieb in Tödtenried mit Ziegelöfen-typischem Fundmaterial wird in diese Römerzeit datiert. Während der Herrschaft der Römer, das mehrere hundert Jahre dauerte, wuchs die Bevölkerung in unserer Gegend durch Zuzug und Ansiedlungen stark an.

Durch die Constitutio Antoniniana des Kaisers Caracalla aus dem Jahre 212 wurden alle freien Bewohner der römischen Provinzen, auch der Provinz Raetia, zu römischen Provinzbürgern und bekamen das römische Bürgerrecht zuerkannt. Diese Provinzbürger wurden auch als Provinziale bezeichnet. Links der Donau bis hoch in den Norden wohnten die germanischen Stämme. Im Laufe der Zeit waren sie sehr Volkreich geworden. Äcker, Weiden, Jagdgründe reichten nicht mehr aus um sich zu ernähren.

Die alte Heimat wurde eng und die Menschen mussten sich neuen Lebensraum suchen. Hunderte, ja ganze Volksstämme, traten ihre mühselige, gefährliche und ständig mit Kampf bedrohte Wanderung an. Zurück blieben einzelne Familien und Sippen, Kränkliche Alte, Mutlose und Kinderreiche. Die Wandernden aber, die bald siegreich vorwärts stürmten, bald geschlagen flüchten mussten, suchten eine wärmere Heimat und besseres Land. Immer wieder versuchten die Germanen über den Rhein und die Donau vorzudringen. Aber überall stießen sie auf die Heere der Römer und mussten zurückweichen. Doch trotz der im Kampf und auf der Wanderung erlittenen Verluste, wurden die germanischen Völker durch die ungebrochene Kraft ihrer Vermehrung stärker und bedrohten immer wirksamer die römischen Grenzen.

Ab der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts kam es zu einem stetigen Bevölkerungsrückgang in der Provinz Raetia, mit ausgelöst durch die zunehmenden Überfälle germanischer Stämme. Bis in das späte 4. Jahrhundert konnte der Ansturm germanischer Stämme gegen die Grenzen an Rhein und Donau unter großen Anstrengungen standgehalten werden. Der Mehrfrontenkrieg, den das römische Reich im Westen gegen die Germanen und im Osten gegen das persische Reich der Sassaniden führte, zehrte an seiner Substanz.

Damit nicht genug, brach ab ca. 370 das mittelasiatische Reitervolk der Hunnen in das Gebiet nördlich des schwarzen Meeres ein, wodurch viele Germanen und Goten die dort siedelten, wieder nach Westen gegen die Grenzen des römischen Reiches zogen. Ausgelöst von den Hunnenstürmen aus Asien, die gegen Europa stürmten und die wandernden Volksstämme bedrängten, wurden die Menschen noch unruhiger und eine große Völkerbewegung setzte ein.

Nachdem ca. 400 n. Chr. die Westgoten in die Po-Ebene eingebrochen waren, wurden Legionen von der Donaugrenze nach Norditalien abgezogen, um die Po-Ebene zu schützen. Die verbleibenden Truppen waren zu schwach, um die Provinz Rätien zu schützen. Die romanisierte keltische Bevölkerung zog sich zum Teil in befestigte Städte oder in den Alpenraum zurück. Andere wanderten in vermeintlich sichere Gebiete aus.

Die provinzialrömischen Bewohner verließen 488 n. Chr. auf Befehl Odoakers, ein weströmischer Offizier germanischer Herkunft (Skiren und Thüringer) und selbst ernannter „König von Italien“, die nördlich der Alpen liegenden römischen Provinzen. In manchen Gebieten kam dies einer teilweisen Entvölkerung des Landes gleich. Denn mit den römischen Herren zogen auch Knechte, Mägde und Sklaven mit in die neue Heimat in Italien um. Andere Teile der Herrschaftsschicht blieben im Land und vermischten sich mit der dort ansässigen Bevölkerung. Karl Bosl spricht deshalb vom „mediterranen Substrat“, das die Basis für die Bevölkerung des späteren Bayerns bildete. Unser Gebiet kam damals unter die Herrschaft Odoakers. Einer Sturmflut gleich, überschwemmten die germanischen Volksstämme das römische Land. Doch viele von ihnen gingen zugrunde oder vermischten sich mit den Bewohnern des neuerworbenen Landes. Nichts ist von ihnen geblieben. Nur alte Sagen und Heldenlieder erzählen von ihrem Ruhm und ihrer Tapferkeit.

493 wurde der Ostgotenkönig Theoderich der Herr unseres Landes. Diese wandernden Germanen waren keine plündernden Räuber, sondern landsuchende Bauern. Wo sich aber römische und später gotische Soldaten oder die einheimische Bevölkerung ihrem Zug entgegenstellte, kam es zu kämpfen. Für uns ist der Stamm der Bayern (Bajuwaren) von besonderer Bedeutung. Sie trugen ihren Namen von der früheren Heimat Boierland (Böhmen). Wo sie als Markomannen gelebt und sich dann in dem Raum zwischen Donau und den nördlichen Alpen und zwischen Enns und Lech niedergelassen hatten. Sie waren Bauern. Sie suchten, als ihr Volk immer zahlreicher wurde, nach dem ewig geltenden Recht der Menschen, Land für ihre wachsende Gemeinschaft, für Vieh, für den Pflug und die Saat. Sie benutzten für die Einwanderung die alten Römerwege. Die Ursprünge Bayerns kann man nicht verstehen, ohne einen eingehenden Blick auf die Umwälzung der Bevölkerung in jener Epoche geworfen zu haben. Aus den Tiefen der asiatischen Steppen kommend, überfiel das turktatarische Volk der Hunnen die Ostgoten, die ein mächtiges Reich in der Ukraine errichtet hatten. Ursprünglich kamen die Goten aus Südschweden, wo Namen wie Göteborg oder Gotland noch heute an sie erinnern. Aufgescheucht von den Hunnen und ihrer Terrorherrschaft, wanderte ein Teil der Ostgoten gegen Westen und Süden. Viele Germanenvölker machten es ihnen nach und es trieb sie tausende von Kilometer weit, suchend nach einer neuen Heimat.

Bis 526 herrschte der Ostgotenkönig Theoderich über ein Reich von Rhone-Delta bis zum Plattensee. Das jetzige Altbayern war seine Nordprovinz. Theoderich war der Meinung, dass die Germanen aufhören müssten immer neue Kriege zu führen. Er schmiedete Bündnisse mit den Germanen von Thüringen bis Tunesien – und nahm große Scharen wandernder Germanen, flüchtende Sippen und politisch Verfolgte in sein Reich auf. Man sagt Theoderich bekam den Ehrentitel „Alemannicus“, weil er den Stamm der Alemannen vor der Vernichtung durch ihre Feinde, die Franken, bewahrte und sie in seinem Reich, westlich des Lechs ansiedelte. Sie müssen hier, in der Nähe unseres Landkreises durchgezogen sein, weil in den frühesten Bajuwarengräbern im Landkreis Landshut, Ausgräber und Archäologen ähnliche Trachtenbestände fanden wie man sie auch in Baden-Württemberg gefunden hat. Unsere Heimat war das Durchzugsgebiet der Völkerwanderung. In ganz Altbayern siedelten unter der Herrschaft Theoderich Ostgoten an. Die weitgereisten trafen auf Germanen aus Böhmen. Diese hatten noch unter den Römern als Söldner gedient. Ihre Bezeichnung „Baiovrii“ (Leute aus Böhmen) wurde nun zum Namen für das ganz neue Volk. So mancher fotzelt bei dieser Betrachtung und bezeichnet die Bayern als die „Fußkranken der Völkerwanderung“. Die Römer nannten ihre neuen Nachbarn „Barbaren“. Doch diese Barbaren lernten von den Römern, nahmen allmählich die christliche Religion an, gründeten selbst Reiche und bereiteten dem Römischen Imperium ein Ende.

Als ältestes Zeugnis für den Namen der „Baiern“ gilt eine Textstelle in der 551 veröffentlichten Gotengeschichte der „Getica“. Sie benennt Baioras oder Baibaros als östliche Nachbarn des schwäbischen Landes. Der erste sichere Beleg stammt von Venantius Fortunatus, einem aus Italien stammenden Poeta doctus. Er berichtet um 576 von einer Reise über die Alpen im Jahre 565 und beschreibt dabei, wie er vom Inn im Land der Breonen heraufkommend die Baivaria am Lech durchquerte. An anderer Stelle benennt er einen „Bajoarius“, der bei St. Afra nahe Augsburg die Straßen nach Süden und weiter über die Alpen kontrollierte und dabei dem Reisenden „hindernd“ in den Weg treten konnte. Venantius Fortunatus lieferte mit seiner Beschreibung die erste konkrete Lokalisierung der Baiern. Der Lech wurde zur Sprach- und Kulturgrenze. Im Osten des Lechs keimte die Pflanze der Baiern. Im westen des Lech siedelten die Alemannen. Bemerkenswert ist, das auch im Osten des Lechs alemannische Siedlungen entstanden. Ortsnamen wie „Schwabing“ oder „Schwabhausen“ deuten darauf hin.

Nach 536 überließen die Goten ihr Gebiet nördlich der Alpen den Königen der Franken. Die Goten mussten sich gegen Byzanz verteidigen und hatten kein Interesse mehr an uns. Sie handelten damit die Neutralität der Franken aus. So wurde unsere jetzige Heimat auch mal fränkisch. Ein nennenswerter Bevölkerungszustrom fand dabei nicht statt. Die Franken begnügten sich mit der militärischen Sicherung des Gebiets. Hier beginnt die Geschichte der ersten bairischen Herzöge. Vermutlich ein Seitenzweig des fränkischen Königsgeschlecht‘s der Merowinger waren die Agilolfinger. Als Stammvater der Familie gilt Agilulf, dessen Lebensdaten nicht bekannt sind.

Garibald I (ca. 530 bis 590) ist der erste (greifbare) Herzog aus der Familie über die es hieß: Die bairischen Herzöge gehörten dem Geschlecht der Arnulfinger an, das mit Garibald seinen ersten urkundlich fassbaren Ahnherrn hat. Die Herkunft der Arnulfinger ist nicht eindeutig bekannt. In langobardischen Quellen ist fränkische Abstammung genannt. Tassilo III. war der letzte Herzog von Baiern aus dem Geschlecht der Arnulfinger und regierte von der damaligen Hauptstadt Regensburg aus. Sein Vetter „Karl der Große“ setzte ihn 788 ab, ließ ihm den Prozess machen und verbannte ihn in ein Kloster.

Nun kamen die Karolinger. Ein Enkel von Karl dem Großen wurde wieder Herzog von Baiern und damit war es Ludwig der Deutsche der Baiern von 829 bis 865 regierte. Ab 862 nahmen die Bedrohungen unseres Baiernlandes durch die Ungarneinfälle zu. In den Jahren von 899 bis 955 waren die Magyaren aus der ungarischen Tiefebene 32 mal in Deutsches (bairisches) Gebiet eingefallen.

Der 65-jährige Bischof Ulrich von Augsburg leistete im August 955 einen verzweifelten Widerstand gegen das Reitervolk. Über mehrere Tage wurde Augsburg angegriffen. Es muss wie ein Wunder gewirkt haben als sich am 9. August die Ungarn zurückzogen und die Angriffe auf die schlecht gesicherte Stadt Augsburg nachließen. Am 10. August 955 besiegte Otto der Große mit einem vereinten Heer, bestehend aus acht Abteilungen, das Reitervolk der Ungarn in der Schlacht am Lechfeld. Die Niederlage der Ungarn auf dem Lechfeld war so eklatant, dass sie nie wieder nach Deutschland einfielen, sondern sesshaft wurden und sich zum Christentum bekehrten.

Warum ist diese frühe bayrische Geschichte so eng Verwandt mit unserem Dorf? 

Nach alten Aufzeichnungen führt eine der Hauptstraßen von Linz über Regensburg durch unsere Heimat an Augsburg vorbei, bis in die Schweiz. Es ist nicht die Via Julia die von Salzburg quer durch Oberbayern südlich an München vorbei über Mering nach Augsburg bis in den Landkreis Günzburg führt. Sondern es ist eine Straße die keinen Namen hatte, deren Baumeister die alten Römer waren und vieles von der Geschichte Bayerns uns erzählen könnte. Eben aus diesen Aufzeichnungen ist von einem Streckenabschnitt, einem erhabenen Weg der von Petersberg nördlich der Glonn, hinstreichend eines Höhenzugs über Langengern, Uebelmanna, Kümerzhofen, Tödtenried, Riedern, Groß Laimering auf die Straße von Friedberg nach Aichach quert, die Rede. Im Volksmund wurde der Weg als Hochstraße bezeichnet. An dieser Stelle verweise ich an einen Artikel der sehr schön die Dorfgeschichte von Tödtenried beschreibt und in unserer Festschrift anlässlich des 60. Gründungsfestes zum ersten mal abgedruckt wurde. Die Geschichte unseres Dorfes beginnt mit seinem Namen. Auch hier ist nicht sicher wo der Ursprung des Namens liegt. Dorfnamen mit der Endung „ried“ deuten auf eine Rodung hin. Die ersten großen Rodungen fanden nach 800 n. Chr. statt. Tödtenried könnte demnach eine Waldrodung sein. Solche Rodungen wurden natürlich nicht zufällig errichtet sondern hatten ihren Ursprung in Schenkungen, Tausch oder Mitgift. Es könnte also etwa ein „Toto“ oder ähnlich von einem bayrischen Herzog das Land geschenkt worden sein, der sich dann hier mit seinen Knechten und Hörigen niederließ. Aus dem Hof des „Toto“ und den Hütten seiner Leute wäre mit der Zeit unser Dorf entstanden.

Eine Rodung an der Hochstraße. Allein das der Ortsname innerhalb von 15km zweimal auftaucht und sehr Markant den Tod bezeichnet lässt mich nicht so sehr an diesen Toto glauben. Vielleicht ist es ein Ortsname der im Zusammenhang mit der Ungarnschlacht auf dem Lechfeld in Verbindung steht – umgangssprachlich auf einen Ort des Kampfes und dem Tod an einer Rodung deutet – dass hier aufgebrachte Bauern den Rückzug der Hunnen verhinderten. All das sind nur Spekulationen die keinen Nachweis haben.